Infantilität, Age Play und das Innere Kind



In diesem Artikel geht es um Trigger, also Auslöser schwieriger Gefühle, Erinnerungen oder Flashbacks. Bei manchen Menschen können diese Themen negative Reaktionen auslösen. Bitte sei achtsam, wenn das bei dir der Fall ist.




Im Rollenspiel als erwachsenes Baby oder Kleinkind bist du absolut abhängig von deiner Bezugsperson.


Du kannst deine Bedürfnisse nicht kommunizieren und musst darauf vertrauen, dass auf dich angemessen eingegangen wird.

Vielleicht erfährst du liebevolle Zuwendung. Oder auch nicht. Womöglich werden deine Bedürfnisse auch falsch gedeutet. Vielleicht bist du aber auch schon etwas älter. Du entdeckst deinen eigenen Willen und versuchst ihn durchzusetzen. Du bist intuitiv und verspielt. Aber dir werden klare Grenzen gesetzt, die dir oft nicht passen.



Die liebende und strafende Mutter. Die freche Schwester, die dich heimlich ärgert. Das herrische Kindermädchen, das mit Drill und Kontrolle für Ordnung sorgt, aber sich eigentlich gar nicht richtig um dich kümmert. Oder die Lieblingstante, bei der du ganz du selbst sein darfst und die dich liebevoll umsorgt.


Das sind Stimmungsbilder, die du entweder irgendwann einmal selbst erfahren hast und die dich deshalb anziehen oder Szenarien, die auf Grund ihrer Charaktere und Rollen Potenzial für ein Rollenspiel haben.

Über das Rollenspiel hinaus, kann es auch um deine Identität gehen.

Um einen besonderen Aspekt von dir, den du so ausleben kannst.

Du, in einem bestimmten Alter, mit bestimmten Fähigkeiten -oder vielleicht noch gar keinen -, einem bestimmten Geschlecht, einer ganz eigenen Geschichte.


Was fasziniert mich an dem Thema Infantilität und dem Spiel damit?


Im BDSM Bereich hat dieses Sessionkonzept für mich einen besonderen Stellenwert, weil es ein sehr alltägliches und vertraut-bekanntes Thema aufgreift.


Rollenspiele haben mich schon immer fasziniert. Im Age Play kann man besonders kreativ werden. Die Tagesbetreuung mit Baden, Essen, Spielzeit und Mittagsschlaf. Zahnärztliche Pflichtuntersuchungen und Kinderprophylaxe. Vielleicht bist du abgegeben worden bei der neuen Nanny und weißt noch gar nicht, ob sie dir wohlgesonnen ist?

Lange Liegezeiten im fixierten Zustand, krabbeln in der Spreizhose, kuschelige Overalls ( vielleicht bist du viel zu warm eingepackt worden?), das Fläschchen mit Ersatzmilch, das ausgetrunken werden muss. Oder die Eignungsprüfung für den Kindergarten? Es gibt vielfältige Möglichkeiten.


Das tragen von Windeln, kann ebenfalls ein Thema sein.

Windeln können Sicherheit und Geborgenheit schenken oder Erniedrigung und Zwang darstellen. Sie können den Age Play Charakter verstärken, sind dafür aber nicht zwingend notwendig.


Grundsätzlich ist Age Play für mich nicht sexuell konnotiert, auch wenn Fetisch im Fokus liegt.


Es geht um das spielerische und um die Erfahrung von Geborgenheit, Abhängigkeit, Fürsorge und Kontrolle. BDSM Elemente, die sich in unterschiedlichen Szenarien wiederfinden können. Age Play ist eine sehr besondere Form davon.


Über das spielerische hinaus, liebe ich an diesen Sessions auch das Lern- und Persönlichkeitsentwicklungspotenzial.


Es besteht die Möglichkeit, gemeinsam zu forschen, zu reflektieren und zu integrieren. Gerade im Kontext Entwicklungstrauma- oder allgemeiner formuliert, den Erfahrungen, die in der kindheitlichen Entwicklungsphase gemacht werden, sehe ich sehr viel Potenzial. Mangel, Überfluss, Vertrauen, emotionale Bindung, Abhängigkeit von Bezugspersonen und die eigene Selbstregulation können in diesem Zusammenhang als Stichworte genannt werden.


Und wie steht es um dein Inneres Kind?

Ist es glücklich, wild, traurig, ängstlich, wütend, verlassen, neugierig, verspielt?


Möchte es gesehen und beachtet werden?